Alltagsintegrierte Sprachbildung/Sprachförderung in der Krippe (0-3 Jahre)

Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Durch Sprache können sich Kinder ihre Umwelt aneignen, sich ihr verständlich machen, ihre Bedürfnisse ausdrücken und selbstbestimmt Teil einer Gesellschaft werden. Dabei beinhaltet Sprache nicht nur den korrekten Gebrauch von Wörtern und Grammatik, sondern ist darüber hinaus viel mehr und vielschichtig. Sprache dient als Mittel zum Austausch mit anderen Menschen und dient der Identitätsbildung des Menschen als Mitglied sozialer Systeme. Sprache wird gebraucht um gedankliche Vorgänge zu ordnen und ist wichtige Voraussetzung für das Lernen an sich.

Die Entwicklung der Sprache ist bei jedem Kind sehr individuell, dies betrifft Tempo und die konkrete Vorgehensweise, also wie es sich Schritt für Schritt Sprache aneignet. Sie ist eng mit allen anderen Bereichen der Entwicklung, z.B. Motorik, kognitive Entwicklung und/oder soziale Entwicklung des Kindes, verknüpft. Unsere Aufgabe ist es, die kommunikativen Signale der Kinder wahrzunehmen und zu entschlüsseln. Darüber hinaus initiieren und nutzen wir möglichst viele sprachbildende Situationen im Alltag und wollen so Sprache in bedeutungsvollen Handlungen lebendig und begreifbar im wahrsten Sinne werden lassen.

Um Kinder bestmöglich in der Entwicklung von Sprache zu begleiten und zu unterstützen, haben wir uns intensiv mit dem Konzept der „Alltagsintegrierten Sprachbildung“ des Deutschen Jugend Instituts beschäftigt[1]. Hierzu gehören insbesondere Erkenntnisse zur Entwicklung der unterschiedlichen Sprachbereiche in der frühen Kindheit und ganz besonders die Möglichkeiten, den Kita-Alltag als sprachbildende Instanz zu nutzen. Alltagsintegrierte Sprachbildung ist für alle Kinder in der Kita gleichermaßen wichtig.

Bei der alltagsintegrierten Sprachbildung legen wir Wert auf eine besondere Dialoghaltung allen Menschen in der Einrichtung gegenüber, und insbesondere in Dialogen mit Kindern. Diese Dialoge sind feinfühlig und erweiternd. Feinfühlig bedeutet, sie sind voller Wertschätzung und Achtsamkeit den Signalen und Botschaften der Kinder gegenüber, um ihre Sprachfreude zu erhalten und ihnen die Aufmerksamkeit zuteil kommen zu lassen, welche sie benötigen, um sich selbst als selbstwirksame und sprachkompetente Wesen verstanden zu fühlen. Erweiternd bedeutet, wir setzen dem kindlichen Interesse entsprechend Impulse. Wir bieten den Kindern neue Wörter an und geben eine größtmögliche Vorbildfläche für Sprache. Im Alltag schaffen wir Situationen und Angebote, welche zum aktiven Sprachgebrauch anregen und viele Möglichkeiten geben Sprache zu erleben. Das Lernfeld der Kinder ist wie auch in allen anderen Entwicklungsbereichen das Leben im Allgemeinen und vor allem die Beziehung und der Austausch zu und mit anderen Menschen. Die bewusste Gestaltung des Kita-Alltags und der Dialoge mit dem Fokus der Sprachbildung ist unser vorderstes Anliegen.

Hierfür einige Beispiele:

  • Bei den Mahlzeiten lassen wir den Kindern Raum und Zeit für eigene aktive Spracherprobung, indem wir sie animieren, von ihren Erlebnissen zu erzählen und die Vorgänge der Mahlzeiten sprachlich begleiten.
  • Das tägliche Wickeln oder An- und Ausziehen gibt den Rahmen für Sprachbildung, indem die Abläufe mit Sprache begleitet und gemeinsam im beziehungsvollen Kontakt erlebt werden.
  • Musikalische Angebote und Bewegungsangebote bieten Gelegenheit, Sprache mit Bewegung und Emotionen zu verknüpfen, dies geschieht im Singkreis beim Singen von Liedern, Fingerspielen und Rhythmusspielen.
  • Bilderbuchbetrachtungen sind immer dann sprachbildend, wenn das Kind nicht nur passiv teilnimmt, sondern immer wieder sich selbst und seine Ideen einbringen kann.

 

Sprache ist allgegenwärtig im Kita-Alltag. Wir wollen diese Zeit nutzen, allen Kindern feinfühlige und kompetente Begleiter im Erlernen und Erleben von Sprache zu sein.

 

[1] vgl. Jampert, K. u.a. (Hrsg.); Die Sprache der Jüngsten entdecken und begleiten, Schritt für Schritt in die Sprache hinein; Weimar/Berlin; 2011

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