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Besuch der Esitjeni Primary School im Januar 2008

Zu Beginn unserer diesjährigen Afrikareise waren wir in Swaziland mit der Direktorin der Esitjeni Primary School verabredet. Den Besuch dort haben wir an den Anfang unseres Urlaubs gelegt, damit wir die im Jahr durch verschiedene Aktionen erarbeiteten Spendengelder in Höhe von 4000 € abgeben konnten. Wir sahen keine andere Möglichkeit, das Geld zu transferieren, ohne dass sich jemand dazwischen klinkt, der sich "seinen Anteil" abzweigt. So hatten wir es bar im Gepäck, für uns die sicherste Möglichkeit, 100% dort zu überreichen. Leider waren Ferien, sodass wir nicht den Schulalltag erlebten. Dennoch, Liljan Dlamini erwartete uns schon vor ihrem "Büro" und es war ein bisschen wie Nachhausekommen. Zusammen mit einer Kollegin nahm sie das Geld und 20 kg Geschenke (Bälle, Springseile, Spiele) in Empfang und war sprachlos. Besonderes Interesse weckten die Fragen, die unsere Kinder schriftlich gestellt hatten und die Bilddokumentationen der Lebenswelten unserer Kinder. Absolutes Erstaunen zeigten beide Lehrerinnen bei den Photos "Deutschland im Winter". Sie haben keine Vorstellung von Schnee. Zwei Digitalkameras mit entsprechendem Zubehör waren mit im Gepäck, die in Esitjeni verbleiben sollten, um zu dokumentieren, wie das Geld angelegt wird. Allerdings war es nicht möglich zu vermitteln, wie die Kameras funktionieren, vielleicht war die Aufregung zu groß, sich auf die Erklärungen zu konzentrieren. Wir lernten später den 17jährigen Sohn der Direktorin kennen, der völlig ausflippte beim Anblick der Kameras und offensichtlich einen Zugang zu der Technik hatte. Er bekam den Auftrag, sich um die Dokumentation zu kümmern.

Im Gespräch mit beiden Lehrerinnen wurden wir mit vielen Tatsachen konfrontiert, die uns bisher als "normaler" Tourist verborgen geblieben waren. Neben Aids ist Tuberkulose ein großes Problem. Zwar wird während der Schulzeit gesehen, dass es den kranken Kindern immer schlechter geht, es gibt jedoch keine Hilfe, bis sie schließlich gestorben sind. Besonders betroffen sind die Waisenkinder. 275 Kinder im Umkreis der Schule von 5 Kilometern leben allein ohne jegliche Unterstützung in ihren leeren Hütten. Die Eltern sind an Aids gestorben. Immerhin ist es inzwischen mit Hilfe einer anderen deutschen Organisation geregelt, dass die Kinder auch am Wochenende oder in den Ferienzeiten ein Mittagessen bekommen. Ich konnte sehen, dass zur Mittagszeit die Kinder aus den verschiedenen Himmelrichtungen angelaufen kamen, um sich anzustellen und ihr Essen in Empfang zu nehmen. Ich sah, wie Kinder Feuer machten, um den großen Kochtopf zu befeuern. Ich sah, zu meiner Erleichterung, dass die Kinder Kleider trugen, die ich gesammelt, gewaschen, gebügelt und auf den Weg gebracht hatte. Wenigstens das! Auf meine Frage, was die Kinder nach dem Essen machen, hieß es, sie gehen zurück in ihre Hütten und warten auf den nächsten Tag. Ich kann es kaum glauben, dass so etwas möglich ist, und es ist mir zu einer Verpflichtung geworden, weiter zu helfen, wie ich irgendwie kann. Mein großer Wunsch ist es, den Kindern ein Heim zu bieten, wo jemand auf sie wartet, sie versorgt, sie beschützt, ihnen hilft.

Brief aus der SchuleMittlerweile hat sich eine kleine Arbeitsgruppe aus MitarbeiterInnen einiger Gruppen des Kinderhauses gebildet. Wir sind zu viert und planen und machen und tun. So sind zur Zeit zwei große Pakete à 20 kg mit Winterbekleidung auf dem Weg nach Swaziland (dort ist jetzt Winter, und es kann richtig kalt werden). Das Problem ist, dass die Portokosten sehr hoch sind, sodass wir, um sie bezahlen zu können, auch dafür einfach Geld brauchen. In diesem Fall haben wir es durch das Herstellen und Verkaufen von Seifen in unseren Gruppen und privaten Umfeld verdient. Meine Familie und meine Nachbarn unterstützen mich dabei. Die letzten Geburtstage wurden für Swaziland gefeiert. Anstatt Geschenke zu bekommen waren die Gäste aufgefordert Fotographie, Mosaik und Seife zu kaufen. Dadurch sind immerhin die nächsten zwei Pakete im Herbst gesichert.

Darüber hinaus ist ein großes Fest zu Gunsten der Waisenkinder von Esitjeni am 27. Juni 2008 an der Lohbergschule geplant. Die Schule selbst ist sehr angetan von unserem Engagement und unterstützt uns mit dem Förderverein "Buntspecht", wo sie kann. Die Mitarbeiterinnen der VGS und die Fachberaterin arbeiten im Vorfeld mit den Kindern, um zum Gelingen des Festes beizutragen. Der Hort der Adolf-Reichwein-Schule beteiligt sich, und der Kindergarten in der Bunsenstraße ist aktiv. Ein Kollege aus der Einrichtung im Okerweg hat mit seiner Freundin die FSJ-Praktikanten einbezogen. Er übernimmt auch verschiedene Aufgaben beim Fest. Und natürlich ist meine "Gecko"-Hortgruppe, Eltern wie Kinder, sehr engagiert. Die Kinder sind schon seit den Osterferien dabei, Dinge herzustellen, die beim Fest verkauft werden sollen. Die Idee des Festes kam von ihnen selbst. Sie fühlen genauso eine Verpflichtung den Kindern in Swaziland gegenüber wie ich und sind bereit zu helfen. Ein Zitat eines Jungen der ersten Klasse: "Wenn ich könnte, würde ich jeden Morgen mein Schulbrot mit den Kindern aus Swaziland teilen."

Renate Wenghöfer, April 2008