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Reisebericht Swaziland Oktober 2012

Vor kurzem schrieb ich noch, es habe sich inzwischen alles in Swaziland eingespielt! Naja, dafür war dieses Mal unser Besuch in eSitjeni anders. Allein das Hinkommen war eine abenteuerliche Sache. Auf Grund extremer Regenfälle waren wir zunächst gezwungen, in unserem vorherigen Camp zu bleiben, da die ausgetrockneten Flussbetten, die wir tags zuvor mit dem Auto durchfahren hatten, durch den Regen unpassierbar geworden waren. Die Flüsse waren über die Ufer getreten und hatten eine reißende Strömung. Wir waren einigermaßen verzweifelt, denn uns rannte die Zeit davon, in der wir in eSitjeni so viel zu erledigen gehabt hätten. Der Campranger schlug dann vor, dass wir zu Fuß über die Eisenbahnschienen gehen könnten, wenn uns jemand abholte. Das Auto könne aber auf keinen Fall mit. So packten wir unsere Sachen zusammen und wurden von Ranger plus drei Trägern zur Eisenbahn gebracht, wo sich herausstellte, dass ein Zug dort auf unbestimmte Zeit „geparkt“ war. Ging also nicht! Wir schauten uns den Fluss an, den es zu überwinden galt, und die Männer meinten, wir könnten durch waten L. Was einem dabei durch den Kopf geht: Schlangen, Hippos, Krokodile, Bilharziose… Aber wir haben es getan! Hosen aus, 90 kg Gepäck auf den Köpfen, an die Hand genommen und los! Und geschafft!

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Auf der anderen Seite holte uns Zodwa ab, die ein Auto mit Fahrer organisiert hatte. So waren wir dann am späten Nachmittag in eSitjeni und konnten dann wenigstens schon mal die ganzen Sachen in die Schule bringen und mit Zodwa verabreden, wie der nächste Tag laufen muss, und auch wie das Auto wieder zu uns gelangen könnte. Der Fahrer erklärte sich Gott sei Dank bereit, es zusammen mit einem Freund am nächsten Tag abzuholen (auch da war es nicht möglich, den Fluss zu durchqueren, es musste mit einem Trecker durchgezogen werden).

Am Morgen des nächsten Tages marschierten wir 4 km bei glühender Hitze durch das Wildreservat, in dem wir immer untergebracht sind, neben uns Böckchen aller Art, Gnus, Zebras, Warzenschweine, um zur Schule zu kommen. Noch hatten wir ja kein Auto. Es war übrigens der einzige Tag, an dem es richtig heiß war! Wir wurden dort aufs Herzlichste empfangen, denn inzwischen kennen uns ja die Meisten. Allerdings mussten wir auch erfahren, dass wir unsere Kollegin der Pre – School Siphiwe nicht antreffen würden, ihr Mann ist inzwischen gestorben, und die Sitte gebietet es, dass die Frau 4 Wochen lang das Haus nicht verlassen darf. Wir hatten sie schon im letzten Jahr finanziell unterstützt, als ihr Mann krank wurde. Umso trauriger, dass sie jetzt allein da steht, um ihre Kinder zu versorgen. Anders als bei uns ist es in Swaziland immer noch so, dass eine Frau eigentlich keine Rechte hat, z. B., dass Frauen kein Eigentum besitzen dürfen. So war es auch schwierig für unsere andere Kollegin Thabisile, ein Stück Land zu kaufen (ich schrieb im letzten Bericht darüber). Aber Dank Zodwas Beziehungen und Interventionen ist es jetzt doch gelungen. Thabisile ist mit Hilfe unserer finanziellen Unterstützung im Besitz eines Grundstücks mit kleinem Haus darauf, aus dem sie niemand mehr vertreiben kann (Haus = ca. 20 qm, ohne Boden, Türen und Fenster,

für uns überhaupt nicht vorstellbar, Thabisile ist aber glücklich). tl_files/bilder/swaziland-2010b/afrika 2012/4.JPGWir lernten die neue Schulleiterin kennen (die Alte ist in Rente). Alle Mitarbeiterinnen sind von ihr begeistertund nennen sie „Lady“. Das ist sie wohl auch, denn sie versucht die ungute Trennung zwischen Pre – School und Primary – School aufzuheben, um gemeinsam zusammenzuarbeiten. Sie ist sehr interessiert an Konzepten für Schule und Kindergarten, und ich versprach ihr, das nächste Mal unsere Kinderhauskonzeptionen zu zeigen.

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Wir trafen kurz Nkosikathi, die Dorfchefin. Mittlerweile ist sie uns gewogen und es gibt keine Misstöne mehr zwischen uns.

Die Mädels aus dem Sewing – Center waren dabei, die von uns bestellten Schürzen und Tücher zu nähen. Leider war alles nicht so, wie ich eigentlich bestellt hatte, so mussten sie in der Kürze der Zeit alles ändern und hatten dadurch richtig Stress. Sie haben es aber geschafft und fühlten sich belohnt durch unsere Mengen an Kosmetikproben, die wir zwischen ihnen aufteilten.

tl_files/bilder/swaziland-2010b/afrika 2012/6.JPGtl_files/bilder/swaziland-2010b/afrika 2012/7.JPGNach dem Besuch in der Nähstube besuchten wir die Kinder in der Pre – School und trafen sie gerade beim Tanzen an. Da sie uns inzwischen kennen, ließen sie sich nicht stören und übten zur Trommel ungeniert ihren traditionellen Tanz. Unglaublich und witzig bei den Allerkleinsten, wie sie ihre Beine nach oben warfen.tl_files/bilder/swaziland-2010b/afrika 2012/8.JPG Witzig deshalb, weil wir am Abend zuvor eine Tanzgruppe mit Erwachsenen im Camp gesehen hatten, die die gleichen Tänze zu der gleichen Trommel -musik vorführten und mit den gleichen Geräuschen begleiteten. Nach der „Tanzstunde“ verteilten wir unsere Mitbringsel (Verbandsmaterial, Kinderklamotten, Malbücher, Stifte, Süßigkeiten) und spielten noch eine Weile mit den Kindern. Nachdem wir auch unsere Geschenke an die Erwachsenen überbracht hatten (dieses Jahr gab es für alle Armbanduhren) und die jährlichen Aufwandsentschädigungen übergeben hatten, klärten wir noch die Verwendung des restlichen Geldes. Wir konnten zur Fertigstellung der Küche 300 € dort lassen. Damit sollen 10 Säcke Zement, der Außenputz und Kochtöpfe angeschafft werden. Nun machten wir noch einige Einkäufe, denn wir hatten endlich unser Auto wieder! Kerzen, Seife, Tütensuppen und vor allem Apfelsinen wurden am späten Nachmittag an die Waisenkinder verteilt. Zodwa hatte dafür gesorgt, dass einige Kinder noch mal zur Schule kamen. Das waren bewegende Momente, viele konnten wir in die Arme nehmen, weil wir uns schon so vertraut sind, andere waren zurückhaltend und schüchtern, aber so glücklich, dass das die gefühlvollsten Augenblicke unseres Besuchs waren. Meine Freundin Birgit hat ihr Patenkind zum ersten Mal getroffen.

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Inzwischen war die Sonne schon untergegangen, eigentlich unsere Rückkehrzeit ins Camp, aber wir besichtigten noch Thabisiles Haus und besuchten kurz Zodwas Familie. Das war besonders schön, denn wir durften durch die das „Dorf“ gehen und erlebten die Menschen, wie sie in ihren Höfen auf Lagerfeuern kochten und dabei sangen. Auch Zodwa und Thabisile sangen auf dem Weg durch die Grundstücke ein Lied für uns. Das war für mich eine so beeindruckende Atmosphäre, dass ich das Gefühl dabei lange noch in mir tragen werde.

Auf Grund des Unwetters war unser Besuch ziemlich verkürzt, umso anstrengender war die Zeit, die uns verblieb. Dennoch hat es sich für uns alle sehr gelohnt, und ich bediene mich eines Slogans einer Hilfsorganisation, der mich jeden Tag vor meiner Reise auf dem Weg zur Arbeit berührte: Die größte Katastrophe ist das Vergessen.

Bis zum nächsten Jahr!

Renate                                 tl_files/bilder/swaziland-2010b/afrika 2012/12.JPG