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Swaziland 2011/2012

Es ist nicht so, dass unser Engagement für Swaziland eingeschlafen wäre. Allein der Umgang mit der Homepage machte es bisher schwer, Euch auf dem Laufenden zu halten. Jetzt habe ich aber zum Glück jemanden gefunden, der mir dabei hilft, sodass ich Euch auf den Stand der Dinge bringen kann.

Vom letzten Bericht bis heute war ich drei Mal in Swaziland und stehe kurz vor meiner nächsten Reise. Wenn ich zwischendurch mal am Verzweifeln bin, wie mühselig es ist, Gelder zu beschaffen, um die Menschen besonders die Kinder in eSitjeni zu unterstützen, passieren Dinge, die es dann doch wieder lohnenswert und schaffbar machen. So begeistern mich immer wieder die Kinder an unserer Schule, die unvermittelt kommen, um Geld abzugeben, entweder ihr Taschengeld, oder aber auch Kinder, die sich am Nachmittag zusammen tun, um für Swaziland Geld zu sammeln, ohne Aufforderung, ohne Hilfe, einfach so! Und die Kinder in meinem Hort sind etwas ganz Besonderes. Ihnen ist es nie zu viel, für Swaziland zu „arbeiten“, immer und immer wieder sind sie am Geldverdienen interessiert, um es an die Kinder in Swaziland abzugeben. Bei jeder Bastelei kommt die Frage, ob und wenn ja, für wie viel man das verkaufen könnte, um Geld zu verdienen. In dieser Ferienbetreuung zum Beispiel haben sie eine Umfrage gemacht, was man für die entstandenen Kunstwerke nehmen könnte. Geplant ist ein Verkauf im November beim Laternenfest der Lohbergschule, denn bis dahin bin ich wieder da und bringe wie immer in den letzten Jahren Genähtes aus eSitjeni mit. Dieses Jahr werden es Multifunktionstücher sein, die dort die jungen Mädchen in der Nähstube herstellen. Wir werden also Lichterketten, Stühle, Schalen, Uhren, Postkarten und Spiegel, alles Handarbeit und Unikate, verkaufen und hoffen auf eine gute Einnahme, denn wir bauen gerade eine eigene Küche neben der Pre – School. Bis zu meinem Besuch im Oktober wird sie wohl fertig gestellt sein, sodass ich dann Dank einer großzügigen Spende von Freunden das Innenleben gestalten kann.

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Wie immer nehmen meine beiden Mitreisenden und ich 30 kg Klamotten, Verbands -  und Lernmaterialien und Spielsachen mit, und die Paten geben mir Briefe und manchmal auch Geld für ihre Patenkinder mit. Inzwischen konnten wir 18 Pateneltern an Voices for Africa  vermitteln und haben selbst 16 Menschen, die regelmäßig ein oder sogar zwei Waisenkinder unterstützen. Leider können wir nur noch in besonderen Ausnahmefällen Pakete schicken, die Postgebühren übersteigen einfach unser Budget. Eine Ausnahme hatten wir gerade, denn ich bekam Nachricht, dass der Winter in Swaziland so heftig sei, dass die Kinder zu erfrieren drohten. Eine Mutter aus meiner Gruppe war davon so betroffen, dass sie sich umgehend darum kümmerte, neben Winterklamotten vor allem Isomatten zu besorgen, die wir dann auf den Weg bringen konnten, da sie auch noch das Geld für das Porto gesammelt hatte. Ein Highlight!

Statt der regelmäßigen Pakete nehme ich jetzt immer 100 € für eine besonders bedürftige „Familie“ mit. Zodwa, unsere Koordinatorin, empfiehlt uns, wer die Zuwendung am ehesten braucht. Bei unserem letzten Besuch bekam das Geld eine Kollegin aus der Pre – School, deren Mann schwer erkrankt war und sie nicht arbeiten konnte, da sie ihre Kinder versorgen musste. Außerdem konnten wir der anderen Erzieherin der Pre – School mit Geld helfen, um sich ein kleines Grundstück zu kaufen. Die Angehörigen ihres verstorbenen Mannes hatten sie und ihre Kinder aus dem Haus geworfen, sodass sie auf der Strasse stand. Ich nehme an, dass ich ihre fertige Hütte im Oktober sehen werde, die sie zu Hause nennen kann.

So kann man also erkennen, dass all unser Tun eine gewisse Regelmäßigkeit  erfährt. Zwei Mal im Jahr bieten die Geckokinder für eine Woche in den großen Pausen Getränke an, im Winter Heißgetränke im Sommer Cocktails. Das ist inzwischen so institutionalisiert, dass es kaum noch Werbung dafür braucht, und die Einnahmen sind beachtlich. Bei allen Festen und anderen besonderen Anlässen stehen die Kinder mit uns am Stand, machen auf unsere Patenvorschule aufmerksam, verteilen Infomaterial und verkaufen. Bei jeder Reise gibt es für die drei Kolleginnen der Pre – School Aufwandsentschädigungen, die dankbar entgegen genommen werden. Besonders in diesem Jahr, denn es gab heftige Streiks, und die LehrerInnen und ErzieherInnen bekamen drei Monate lang kein Gehalt.

Ich bin froh, dass meine Kollegin Paty genauso einen langen Atem hat wie ich, denn sie führt die Bücher, regelt die Finanzen und ist bei allem meine erste Ansprechpartnerin. Ich freue mich auf einen in nicht allzu ferner Zukunft  liegenden gemeinsamen Urlaub in Südafrika, damit sie selbst sehen kann, für wen und was sie sich die ganzen Jahre zuverlässig engagiert.

 

Renate Wenghöfer

 

 

Göttingen im September 2012