Blatt

Zurück aus Swaziland

Die letzte Woche unseres diesjährigen Südafrika-Urlaubs verbrachten wir in Swaziland. Dort wurden wir schon dringlich erwartet und wurden begrüßt von der Schulleitung der Esitjeni Primary School und Zodwa Dlamini, die ich schon im Jahr zuvor kennen gelernt hatte. Zodwa ist Lehrerin an der Schule, aber auch Spenden-Koordinatorin des Vereins Voices for Africa aus Mannheim. Lange vor unserem Urlaub trat ich per Mail in Kontakt einmal mit dem Chor aber auch mit Zodwa. Mir war und ist wichtig, dass wir uns kennen gelernt haben, damit es keine doppelten und/oder unnötigen Spenden gibt, die möglicherweise dann in undurchsichtige Kanäle fließen. Außerdem hoffte ich, dass ich von den Erfahrungen von Voices for Africa profitieren kann, bei den vielen Fragen, die nach jedem Aufenthalt wieder neu dazu kommen. So lernte ich Annette Lennartz kennen und freue mich, in ihr eine kompetente Unterstützung und Beratung gefunden zu haben. Wir verabredeten, dass der Chor und der Kinderhaus e.V. jeder sein eigenes Profil in der Unterstützung von Esitjeni behält, wir uns aber gegenseitig behilflich sind bei Formalia, bei der Überprüfung der Verwendung der Spenden und beim Austausch von Erfahrungen. So trafen wir bei unserem jetzigen Aufenthalt Konrad Siegel, ein Mitglied des Chores, der uns in unseren Aktivitäten hilfreich unterstützte und beriet.

Das Empfangskomitee bestand schließlich aus der Schulleiterin, dem Schulassistenten und einem Elternvertreter. Gespannt beobachteten sie unsere Reaktionen auf das inzwischen von unseren Geldern entstandene Bürogebäude. Gerade war auch der Architekt da, denn es sollten die elektrischen Leitungen unter Putz gelegt werden, ein offensichtlich neues Verfahren für die Beteiligten! Es entspann sich eine kleine nette Diskussion darüber, wem das Haus eigentlich gehöre. Der Elternvertreter meinte, dem Kinderhaus e.V., ich meinte, der Schule von Esitjeni. So ging es etwas hin und her, schließlich einigten wir uns darauf, dass es uns allen gehöre, und darauf gaben wir uns die Hand. Im alten Büro der Schulleiterin wurden uns die sorgfältig aufbewahrten Abrechnungsbelege vorgeführt, sodass wir an Hand der Belege jeden einzelnen Bauabschnitt nachvollziehen konnten. Wir entschieden, dass wir der Schule weitere 2000 € für den Innenausbau zu Verfügung stellen, die wir am nächsten Tag offiziell mit Stempeln, Unterschriften, Hände schütteln und Danke sagen überreichten.

Zwischenzeitlich hatten wir mehrere Gespräche mit Konrad und Zodwa, um darüber zu beraten, wie wir weiter vorgehen. Wir hatten schon besprochen, dass wir uns zukünftig gern vermehrt um die Vorschulkinder kümmern wollen, und so machte Zodwa den Vorschlag, dass wir uns die Lamagadlela preschool einmal ansehen sollten. Gemeinsam mit ihr besuchten wir den in der Nähe liegenden Kindergarten und waren traurig zu sehen, was dort Kindergarten ist! Ein Raum für 20 - 40 Kinder mit vielleicht 15 Plastikstühlchen, Betonboden, ein großes Tuch auf dem Fußboden, ein Tischchen (Schreibtisch?), vielleicht 10 Matchboxautos und 20 Kunststoffbuchstaben. An den Wänden Zettel, mit dem Hinweis, was da sein sollte: education area, art area, book area, recreation area... Aber nichts, wirklich nichts an irgendwelchen Hilfsmitteln! Zwei Erzieherinnen arbeiten hier: Thabsile und Siphiwe. Wir fragten nach ihren pädagogischen Inhalten und hörten, dass sie ein Konzept haben, die Umsetzung aber denkbar schwierig ist auf Grund fehlender jeglicher Mittel. So singen sie und machen Kreisspiele und auch ein wenig Sport. Wir haben einen Vormittag lang den Alltag begleitet und beobachten können, wie sorgsam und liebevoll die beiden mit den Kindern umgehen. Sie frühstücken gemeinsam, wenn die Kinder etwas mitgebracht haben, und es gibt auch eine Ruhezeit liegend auf dem blanken Betonboden. Nach dem Kindergarten gehen die Kinder in die Schule und bekommen dort ein Mittagessen, organisiert von Voices for Africa. Zurzeit bezahlen 6 Kinder von 20 die Kindergartengebühren, aus denen auch die Gehälter der beiden Erzieherinnen finanziert werden. 14 Kinder gehen also ohne Bezahlung in den Kindergarten, 20 weitere könnten kommen, wenn sie bezahlten. Das sind dann vorwiegend die Waisenkinder, die keinerlei familiären Hintergrund haben. Ohne lange Diskussion war uns schnell klar, dass wir in Zukunft hier weiter unterstützen wollen.

Um das tun zu können, bedurfte es aber eines Termins bei der Witwe des Häuptlings, die sich in einem Kral um die Waisenkinder der Region kümmert. Nkhosikati empfing uns mit Zodwa als Übersetzerin und nach langem Palaver haben wir verabredet, dass wir zunächst mit den mitgebrachten 1500 € das vom Sturm zerstörte Dach der Kindergartentoilette erneuern lassen würden und dass wir für so viele wie möglich Waisenkinder die Kindergartengebühren übernehmen und damit das Mittagessen der Kinder sichern und auch die Gehälter der beiden Erzieherinnen.

Am nächsten Tag gab es dann wieder den offiziellen Teil. Zodwa hatte sich bereit erklärt, neben Voices for Africa auch für uns zu arbeiten, wofür wir sehr dankbar sind, denn sie kennt sich mit den örtlichen Gegebenheiten und den Formalia bestens aus. Zur Geldübergabe waren geladen ein Elternvertreter, Nkhosikati, die beiden Erzieherinnen, Zodwa, Karl, Kati und ich. Ich schrieb Vollmachten, Erlaubnisse und Beglaubigungen und mit zweistündiger Verspätung und tausend Unterschriften überreichten wir das Geld an die Kindergartenleiterin Thabsile. Wir vereinbarten, dass ein Konto eingerichtet wird, auf das das Geld eingezahlt wird, auf das nur Zodwa und Thabsile zugriff haben. Wir verabredeten, dass die Entscheidungen, was weiter mit unserem Geld passiert, in der Verantwortung der beiden Erzieherinnen liegen soll, da beide am ehesten wissen, was als nächstes dringend notwendig ist. Über Zodwa werden wir auf dem Laufenden gehalten, sie und auch der Eltervertreter haben einen PC mit Internetanschluss. Ich kann hier nicht die Worte wiederholen, die gefallen sind, um sich zu bedanken. Für die Erzieherinnen war und ist es wohl ein kleines Wunder, dass plötzlich sie mit ihren Sorgen und Nöten im Mittelpunkt standen und überraschend Hilfe erhielten. Wir werden ab jetzt unsere monatlichen "Einnahmen" auf dem Swazilandkonto (ca. 60 € im Moment) der Lamagadlela preschool zukommen lassen, um wenigstens die größte Not abzuwenden. Konrad wird noch drei Mal in diesem Jahr nach Swaziland reisen und hat sich bereit erklärt, das Geld für uns mitzunehmen. Wir werden weiter Pakete schicken, vorzugsweise mit Materialien, die die beiden Erzieherinnen in ihrer Arbeit unterstützen, möglicherweise schaffen wir es auch, für Ausstattung zu sorgen.

SwaziReise09An dieser Stelle möchte ich allen danken, die uns in unserer Arbeit unterstützen und sagen, dass das Interesse und Engagement lohnenswert ist, wenn man die vielen unschuldig in Not geratenen Kinder sieht und über ihre Lebensperspektive nachdenkt.

Kaum zu Hause erreichte uns ein Hilferuf von Voices for Africa. Ein amerikanischer Sponsor, der 60 Schulkinder unterstützte, hat, ohne Nennung von Gründen, seine Hilfe eingestellt. Das heißt, dass 60 Kinder die Esitjeni Primary School wieder verlassen müssen, das heißt auch, dass sie kein Essen mehr bekommen können. Voices for Africa unterstützt selbst schon an die 60 Kinder und ist zurzeit finanziell nicht flüssig, genauso wenig wie wir. So bin ich gerade dabei, Menschen zu finden, die wenigstens für ein Jahr die Patenschaft für ein Kind übernehmen können. Bis dahin arbeitet Voices for Africa daran, andere Lösungen zu finden. Bei Interesse meldet Euch bitte über den Kinderhaus e.V. bei mir.

Renate Wenghöfer, Februar 2009