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Konkrete KiTa-Ausbauplanung vorgestellt

01.12.2005 von Michael Höfer

Aufgrund der Vorgaben durch das Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG), des Ratsbeschlusses vom 11.02.2005 zum vorzeiten Ausbau der Angebotes für unter Dreijährige bis Mitte 2008 und der Bedarfsabfrage im Frühjahr 2005 legt nun der Fachbereich Jugend der Stadt Göttingen das erste Konzept der KiTa-Ausbauplanung vor.

Während im Bereich Hort kein Planungsbedarf gesehen wird (hier gibt es angeblich genug Plätze), müssen im Bereich Kindergarten ca. 140 neue Dreivierteltags- und Ganztagsplätze geschaffen werden. Dies soll durch Umwandlung und zeitliche Streckung von 50 bisherigen Halbtagsplätzen und 90 weiteren Plätzen erreicht werden.
Interessant ist der Ausbau des Angebotes im Bereich Krippe (dies ist ja die eigentliche Intention des TAG). Nach der Vorstellung der Bedarfsabfrage war man noch von ca. 210 neu zu schaffenden Plätzen ausgegangen, diese wurden nun auf ca. 160 heruntergerechnet - hauptsächlich durch Anwendung von restriktiven Bedarfskriterien. Diese Restriktionen führen dazu, dass bei 9% der nachfragenden Eltern der Bedarf nicht anerkannt wird, konkret heißt das, das 83 Kinder außen vor bleiben (im Bereich Hort beträgt dieser Nichtanerkennungsfaktor übrigens sogar 12%, konkret 73 Kinder!). Die Jugendverwaltung errechnet daraus eine Zielgröße für die Versorgung mit Krippenplätzen in Höhe von 28% der 0-3jährigen Kinder. Danach müssten im Jahresdurchschnitt bis 2008 ca. 835 Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Angeboten werden z.Z. 570 Plätze in KiTas und 100 in Tagespflege.

Die konkreten Ausbauplanungen sehen nun für die einzelnen Stadtgebiete zu ergreifende Ausbaumaßnahmen vor. Insbesondere im Bereich Innenstadt, Südstadt und Oststadt wird eine hohe Dringlichkeit des Ausbaus konstatiert. Insgesamt ist m.E. die Planung zu optimistisch gehalten, so sind z.B. 30 Krippenplätze in einer neuen KiTa in Grone eingeplant - ob es die allerdings je geben wird, ist mehr als fraglich. Immerhin ist dies die erste zielgeleitete Planung in der Stadt.

Schärfstens zu kritisieren ist jedoch die restriktive Bedarfsfestlegung. KiTas sind mehr als Betreuungsstätten, sie sind Bildungsorte, darin sind sich alle Fachleute inzwischen einig, und je früher die Bildung in einer KiTa beginnt, desto besser sind die Bildungschancen der Kinder, die in den Genuss dieser Bildung kommen (auf diesen Zusammenhang hat erst neuestens wieder eine Studie des ifo-Instituts hingewiesen). Genau deshalb darf der Zugang zu ihnen nicht wegen Nicht- Erwerbstätigkeit oder aus ähnlichen Gründen versperrt bleiben. Um dies zu erreichen, wurde im Göttinger Stadtrat ein Antrag von GRüNEN und SPD beschlossen, der für die Bedarfsplanung der Stadt Göttingen die Anwendung des restriktiven Bedarfsbegriffs aufhebt - und den Wunsch von Eltern nach einem KiTa-Platz grundsätzlich als Bedarf anerkennt.

Ein weiterer Schwachpunkt der Ausbauplanung ist, dass sie sich auf eine sehr geringe und möglicherweise daher nicht ausreichend valide Datenbasis stützt. Die Bedarfsabfrage hatte seinerzeit einen Rücklauf von nur 14% (knapp 1.400 von 9.800 Betroffenen hatten sich den Abfragebogen aus einer KiTa abgeholt). Deshalb wird es Anfang 2006 auch eine echte Vollerhebung geben, bei der alle Eltern von Kindern angeschrieben werden. der Rücklauf au einer solchen Erhebung ist mit Sicherheit aussagekräftiger!

Die Ausbauplanung der Stadt wird - so viel ist bereits heute sicher - keine statische sein, sondern ein fortdauernder Prozess und eine echte Herausforderung.

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