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Landesweiter Fachtag zur Praxis der Bildungs- und Lerngeschichten

03.11.2006 von Michael Höfer

Die Landesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen Niedersachsen/Bremen e.V. (lagE) und der Kinderhaus e. V. Göttingen veranstalteten am 3. November 2006 in Hannover einen Fachtag unter dem Motto "Guck mal, was ich kann! - Bildungs- und Lerngeschichten in der Praxis".

Margaret Carr hat Ende der 1990er Jahre in Neuseeland das Modell "learning stories" entwickelt. Das Deutsche Jugendinstitut hat es aufgegriffen und 2004 mit Kooperationspartnern, zu denen auch das Niedersächsische Kultusministerium gehört, das Projekt "Bildungs- und Lerngeschichten" gestartet, das im Januar 2007 zum Abschluss kommt. Es hat das Ziel, die Umsetzung des Bildungsauftrages von Kindertagesstätten wirksam zu unterstützen und zu fördern. Der Kinderhaus e.V. beteiligt sich an diesem Projekt.

Den Fachtag boten wir an, um unsere Erfahrungen mitzuteilen, Impulse für den Kita-Alltag zu geben und eine praxisnahe Auseinandersetzung mit den vielen Facetten der Bildungs- und Lerngeschichten mit interessierten KollegInnen zu führen.

FachtagBLG3Ca. 180 Gäste verfolgten während des Vormittags gespannt und sehr interessiert den Beiträgen.
In ihrer Begrüßungsrede spannte Heide Tremel, Geschäftsführerin der lagE, einen Bogen vom niedersächsischen Orientierungs- plan, über die Ansprüche Freier Träger an die Qualität der Arbeit in Kindertageseinrichtungen hin zu ihrer Sorge um die Abschaffung des Landesjugendamtes. Michael Höfer, Geschäftsführer des Kinderhaus e.V., griff in seiner Rede einige Fäden auf und formulierte sehr klar, dass zum einen die Träger gefordert sind, ihre MitarbeiterInnen auf ihrem Wege der Qualitätsentwicklung, der Beobachtung und Dokumentation zu unterstützen, zum anderen die Politik sich nicht aus ihrer Verantwortung um die Verbesserung der finanziellen und personellen Rahmenbedingungen stehlen kann. Spätestens an dieser Stelle wurde deutlich, in welchem Spannungsfeld der Interessen Veränderungen des Berufsbildes der Erzieherin eigentlich stehen. Der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann antwortete in seinem Grußwort sehr selbstbewusst auf die Forderungen an die Politik, begrüßte aber auch unser Engagement im Modellprojekt des DJI.

Nach diesen schon sehr inhaltsschweren Beiträgen skizzierte Anne Gregl, Fachberaterin des Kinderhaus e.V., warum der Kinderhaus e.V. sich für das Modell Bildungs- und Lerngeschichten als Modell der Beobachtung und Dokumentation entschieden hat, dessen wesentliche Arbeitsschritte, bemerkenswerte Erfahrungen aus der Praxis und das Selbstverständnis für die pädagogische Arbeit mit Beobachtung.

Dazu gehört unbedingt der Dialog als besondere Form der Kommunikation zwischen PädagogInnen, Kind und Familien. Lothar Klein, Diplompädagoge, Autor und Fortbildner nannte seinen anschließenden Vortrag: "Ohne Kinder geht es nicht! - Wozu Lerngeschichten Erwachsene verpflichten". Der Titel war Programm seiner lebendigen Rede, in der er deutlich machte, dass Lerngeschichten von Kindern immer individuell und eigensinnig sind, meist nicht planbar, voller Überraschungen stecken und von Erwachsenen abverlangen sich im Dialog Kindern zuzuwenden um die Welt der Kinder zu verstehen.

Ulli Börger, KiTa-Leiterin aus Papenburg und Multiplikatorin im DJI Projekt, setzte in ihrem Vortrag andere interessante Akzente um das Potential aufzuzeigen, das dem Modell Bildungs- und Lerngeschichten innewohnt: anhand eines Beobachtungsvideos von Ida wendete sie sich deren Themen, Anliegen, Lernstrategien und Talenten zu, die sie gesammelt hatte. In einer Lerngeschichte von Ida würden sie ebenso auftauchen wie die Frage danach, ob und wenn ja welche Angebote man Ida geben würde, um ihre Begabungen zu fördern.FachtagBLG5

Nach diesem sehr praxisorientierten und kurzweiligen Vortrag gab es erstmal eine einstündige Pause. Die Gäste des Fachtages konnten sie nutzen um Mittag zu essen, sich am Büchertisch zu informieren oder sich die Dokumentationen anzuschauen, die die Mitarbeiterinnen des Kinderhaus e.V. und Ulli Börger über ihre Arbeit mit den Bildungs- und Lerngeschichten präsentierten.

Die anschließenden Workshops vertieften Aspekte des Modells:

  • Zusammenarbeit mit Kindern (Team Kita Junkerberg, Kinderhaus e.V.)
  • Von der Beobachtung zur Lerngeschichte (Team Naturkindergarten, Kinderhaus e.V.)
  • Dokumentation: muss das sein? (Susanne Dettmer, Kita Himmelsstieg und Tina Küster, Kita Turmstrasse, beide Kinderhaus e.V.)
  • Nahe dran - Teambegleitung und Reflektion (Kirsten Rickmann, Fachberaterin Kinderhaus e.V.)
  • Wie macht Lernen Sinn? (Ute Wieder, Kunstpädagogin und Anne Gregl)
  • Miteinander denken und sich verständigen - das Geheimnis des Dialogs mit Kindern (Lothar Klein)
  • Das Bildungsbuch (GEW) (Torsten Krey-Gerve, Fortbildner)
  • Erziehrinnen und Kindern auf der Spur nach Themen und Talenten (Ulli Börger)

Während der Abschlussveranstaltung präsentierte das Team der Kita Okerweg des Kinderhaus e.V. drei Filmsequenzen zum Thema "Kinder kommen zu Wort".

Dieser Fachtag war für uns eine große und aufregende Sache! Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen von der lagE war hervorragend! Dafür an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank! Etwas ganz Besonderes war die Kooperation zwischen den Fachberaterinnen des Kinderhaus e.V. und denKolleginnen der fünf Kindertagesstätten, die sich seit Januar 2005 am Projekt des DJI beteiligen. Die Kolleginnen haben es gewagt ihre gewohnte Berufsrolle einmal zu verlassen und in die von Fortbildnerinnen bzw. Referentinnen zu schlüpfen, was ihnen hervorragend gelungen ist. Intensive Arbeit steckte in der Vorbereitung zum Fachtag, die sich auf jeden Fall ausgezeichnet hat, denn wir Alle haben Viel dazu gelernt.

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An dieser Stelle auch Dank an Lothar Klein, Torsten Krey-Gerve und Ulli Börger, die uns unterstützt, sich engagiert haben und deren Beiträge eine enorme Bereicherung waren. Wir haben erfahren, dass der Fachtag auf eine hohe Resonanz stieß, für das Modell Bildungs- und Lerngeschichten Interesse geweckt und viele Impulse für ein Weiterdenken gegeben hat. Mehr kann man nicht verlangen!

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