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Unsere Geschichte

Zur Geschichte des Vereins

Als Vorläufer zur Idee des Kinderhaus e.V. hatte es bereits seit Ende der siebziger Jahre in Göttingen Initiativgruppen mit Kindern im Kleinstkindalter, also jünger als drei Jahre, gegeben ("Wühlmäuse e.V."). Diese Gruppen lösten sich meistens jedoch auf, wenn die Kinder in das Kindergartenalter (älter als drei Jahre) kamen. Es wurde allerdings immer deutlicher, dass in Göttingen ein eklatanter Mangel an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren herrschte. Offizielle Meinung war: so kleine Kinder gehören nach Hause zur Mutter und nicht in eine Kindergruppe.

Damit wollten sich etliche Mütter und Väter allerdings nicht anfreunden: sie stellten ihr Anliegen einer öffentlichen Betreuung für Kleinstkinder - in Anlehnung an die gerade entstehenden "Kinderhäuser" in Hamburg und Frankfurt - in Göttingen zur Diskussion und forderten insbesondere die gesellschaftliche Anerkennung und die ausreichende finanzielle Unterstützung alternativer Kinderbetreuung. In der Folge einer Diskussionsveranstaltung, auf der die Forderungen an die politisch Verantwortlichen in Göttingen konkretisiert wurden, wurde im Juni 1981 dann der Verein Kinderhaus e.V. als ein Instrument zur Interessensvertretung gegründet. Parallel dazu schlossen sich erneut sechs Familien zusammen, um ihre damals einjährigen Kinder betreuen zu lassen und stellten eine Erzieherin als Bezugsperson fest an.

Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Verantwortlichen in der Stadt nicht dazu zu bewegen waren, die geforderte finanzielle Unterstützung zu gewähren. Die beim Jugendwohlfahrtsausschuss der Stadt Göttingen beantragte Bezuschussung des Vereins wurde von diesem mit der Begründung abgelehnt, "man müsse erst etwas vorweisen können". Nur mit eigenen Mitteln der Eltern war das Projekt langfristig nicht zu halten, und so musste sich die Kindergruppe nach etwa zwei Jahren auflösen. Auch die Aktivitäten auf politischem Gebiet schliefen allmählich ein.

Ende 1983/Anfang 1984 belebten dann angehende SozialpädagogInnen und mehrere ErzieherInnen aus selbstorganisierten Gruppen durch ihr Engagement die Vereinsarbeit neu. Die Beweggründe die Neuorganisation waren neben pädagogischen vor allem sozialpolitische:

  • tl_files/bilder/artikel/KHLogoAlt.gifEs sollte eine Alternative zu den herkömmlichen Kindergärten und damit vor allem Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden, die es in Göttingen zu dieser Zeit kaum gab.
  • Eltern wollten aktiv die Erziehung ihrer Kinder mitgestalten und eine Einrichtung schaffen, die eine Ergänzung zum familiären Alltag herstellen sollte.
  • ErzieherInnen wollten ihre Arbeitsplätze eigenverantwortlich gestalten.

Ein Rückblick auf die schwierigen Anfänge des Vereins spiegelt sich in einem Interview mit einem der (Neu)Begründer des Kinderhaus e.V. vom August 1992 wider, das in der Broschüre zum 10jährigen Bestehen des Vereins abgedruckt wurde.

Bis zum Dezember 1990 waren die einzelnen Kindergruppen, die sich dem Verein inzwischen angeschlossen hatten, von den örtlichen Jugendämtern als Tagespflegestellen anerkannt. Dennoch war bis zu dieser Zeit trotz aller gesetzlichen Regelungen die Stellung des Kinderhaus e.V. und der Kindergruppen nicht eindeutig geklärt. Der Verein führte ein Zwitterdasein zwischen den Betreuungsformen der Tagespflegestellen und der Kindergärten, für ihn galten sowohl Bestimmungen der einen wie der anderen Betreuungsform. Dies hatte auch Folgen für die Finanzierung: während die Förderung für Kindergärten und für die Tagespflege eindeutig geregelt war, gab es in der Grauzone, in der der Kinderhaus e.V. aktiv war, keine klare Regelung.

Erst durch die Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) zum 1.1.1991 mit der Erfordernis einer Betriebserlaubnis für die einzelnen Gruppen (§ 45 KJHG) und durch die Verankerung der Eltern-Selbsthilfegruppen als eigenständige Betreuungsform der "Kleinen Kindertagesstätte" im Niedersächsischen Kindertagesstättengesetz vom 16.12.1992 (§ 1 KiTaG) bot sich die Möglichkeit der Förderung der bestehenden Kindergruppen des Kinderhaus e.V. als familienergänzender Betreuungseinrichtungen. Bereits 1989 war der Verein als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt worden.

Seitdem hat sich der Kinderhaus e.V. zu einer anerkannten und öffentlich geförderten Organisation der Kinder- und Jugendhilfe in Göttingen und Umgebung entwickelt. Diese Entwicklung läßt sich beschreiben als die von einer reinen Elterninitiative hin zu einem sozialen Dienstleister im Bereich der Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern. Stellvertretend für diese Entwicklung stehen insbesondere die Begriffe der Institutionalisierung und Professionalisierung der Arbeit.

LariFariFest 1993Das Angebot des Kinderhaus e.V. hat sich im Vergleich zu seinen Anfängen inzwischen erheblich gewandelt und ausgeweitet: neben der ursprünglichen Kleinstkindbetreuung für Kinder unter drei Jahren bietet der Verein Kindergartenplätze und seit 1998 - häufig angeschoben durch Initiative von Eltern - an Göttinger Grundschulen auch Hortplätze an.

Aus familienpolitischen Gründen sind wir 2001 als Kooperationspartner von Göttinger Grundschulen in die Betreuung im Rahmen der Verlässlichen Grundschule (VGS) eingestiegen. Dieses Engagement wird aufgrund von Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen der Stadt Göttingen zum Sommer 2011 flächendeckend auslaufen - wir bleiben nur an den Schulen, in denen wir Horte betreiben, in der VGS aktiv.

Nachdem wir bereits mit der Sartorius AG 1999 betriebsnahe Formen von Kinderbetreuung (damals leider vergeblich) geplant hatten, konnten wir 2003 in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie eine Krippeneinrichtung auf dem Institutsgelände überwiegend für die Beschäftigten einrichten - ein Modell, dem in 2005/2006 noch drei weitere bei der biophysikalischen Chemie und der experimentellen Medizin folgten. Im November 2006 konnten wir im Seniorenzentrum am Ingeborg-Nahnsen-Platz eine fünfte betriebsnahe Krippeneinrichtung für Kinder von MitarbeiterInnen der Göttinger Stadtverwaltung eröffnen.

Pionier in Göttingen waren wir auch bei der Einführung des Modells "Offene Ganztagsgrundschule" (OGS): Im Sommer 2007 begann unsere erste Kooperation im Nachmittagsbetrieb an der Herman-Nohl-Schule in der Südstadt. Dieses Ganztagsmodell mit einer Verzahnung von Angeboten der Jugendhilfe (z.Z. zwei Horte) mit Angeboten der offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Schule war die Grundlage des für die Stadt Göttingen verabschiedeten Rahmenkonzeptes für die Arbeit in der Offenen Ganztagsgrundschule. 2010 folgte als zweite Kooperationsschule in der OGS die Brüder-Grimm-Schule in der Nordstadt. Auch außerhalb der Stadt Göttingen fand unser Modell großes Interesse: Seit 2010 kooperieren wir mit den Grundschulen in Diemarden und Groß Lengden, 2011 folgen die Grundschulen in Bremke und Kerstlingerode. Diese Kooperationen mussten wir aus im Jahre  2013 leider wieder einstellen. Dafür wurden in der Stadt Göttingen 2012 eine Kooperation mit der Albanischule und 2016 mit der teilgebundenen Ganztagsschule am Standort Adolf-Reichwein-Schule gestartet. Alle Schulkooperationen finden statt unter dem neuen Rahmenkonzept für die Kooperationen von Jugendhilfeträgern mit Grundschulen, das nach der Novelle des Schulgesetzes 2014 ein Jahr später vom Rat der Stadt Göttingen in Kraft gesetzt wurde.

Eine Besonderheit innerhalb der Kooperationen im Ganztagschulbereich stellt die Lohbergschule dar: hier wurde von Kinderhaus e.V. und AWO Göttingen gGmbH eine gemeinsame Betreibergesellschaft für den Ganzstagsbetrieb gegründet, die KiWO gGmbH, die seitdem erfolgreich dort tätig ist.

Nach wie vor ist eines der wichtigsten Standbeine unserer Arbeit der Bereich Kleinstkindpädagogik für die unter Dreijährigen. Der vom Bund endlich (wenn auch nicht ausreichend) mitfinanzierte Ausbau der Krippenbetreuung - vor allem Investitionsförderung - hat es uns ermöglicht, unsere KiTas im Laufe der letzten Jahre durch massive Investitionen in Inventar und Gebäude so auszustatten, dass damit eine noch bessere Grundlage für eine kindgerechte Pädagogik hergestellt wird.

Leitbild und Qualitätsentwicklung

Angesichts der starken Veränderungen, die der Kinderhaus e.V. durch die oben skizzierte Entwicklung von wachsender Institutionalisierung und Professionalisierung seit Anfang der neunziger Jahre durchmacht, wurde zwischen 1997 und 1999 das Erscheinungsbild des Vereins nach innen und außen einer gründlichen Überprüfung unterzogen, um festzustellen, welche der Traditionen aus der Gründungszeit des Vereins als Elterninitiative auch unter veränderten gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen noch Gültigkeit haben können und von welchen der Verein sich trennen sollte.

Dank umfangreicher (Mit)Arbeit der verschiedenen Interessengruppen im Verein - Eltern, ErzieherInnen, Träger - wurde im Sommer 1999 ein neues Leitbild schriftlich fixiert.

Klar war, dass der Kinderhaus e.V. an dieser Stelle nicht stehenbleiben konnte. Aus dem während der Leitbildentwicklung diskutierten Begriff der Kundenorientierung und Qualitätssicherung entstand - nicht zuletzt auf starken Wunsch der Beschäftigten - 2002 die Initiative zu einem extern begleiteten Prozess der Qualitätsentwicklung nach der Methode der integrierten Qualitäts- und Personalentwicklung (IQUE), die von April 2003 bis April 2004 extern begleitet durchgeführt wurde (Eine gute Zusammenfassung dieses ersten Prozesses und Erläuterungen dazu wie zur Methode der IQUE können Sie in unserer Broschüre zur ersten Präsentation der Ergebnisse nachlesen).

Erste Ergebnisse dieses Prozesses sind die schriftlich fixierten Leitsätze zum Thema "Bildungsprozesse von Kindern" und daraus abgeleitete Handlungsziele für alle Gruppen des Vereins. Diese Handlungsziele stellen für alle Beteiligten eine Herausforderung in der Arbeit und gleichzeitig eine enorme Bereicherung des pädagogischen Alltags dar und werden die Arbeit der Gruppen in der nächsten Zeit begleiten und die Qualität der Bildungsarbeit des Kinderhaus e.V. für die Zukunft sichtbar und deutlich machen.

Nach Abarbeiten der aus diesen Leitsätzen entwickelten Handlungsziele werden wir uns weiteren Qualitätsbereichen zuwenden.

Darüber haben die Aktivitäten im Rahmen des IQUE-Prozesses zu mehreren vielversprechenden Projekten geführt, die die Arbeit in den Gruppen extrem bereichern, Auch auf diesem Feld ist der Kinderhaus e.V. in Göttingen ein Wegbereiter der Innovation - ganz im Sinne unseres Leitbildes!